Der Strompreis entsteht durch das ständige Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage am Strommarkt. Da Energieversorger Strom an der Börse einkaufen, wirken sich Veränderungen dort direkt auf die Preise aus.
Wird viel Strom gleichzeitig verbraucht, während nur begrenzt Strom eingespeist wird, steigen die Preise. Das ist besonders morgens und am frühen Abend der Fall, wenn viele Haushalte aktiv sind und Industrie sowie Gewerbe ebenfalls Strom benötigen.
Wie Wetter und Umwelt das Stromangebot bestimmen
Ein großer Teil des Stroms stammt heute aus erneuerbaren Energien und ist damit wetterabhängig:
- Wind & Sonne: Weht wenig Wind oder scheint nachts keine Sonne, sinkt das Stromangebot.
- Viel Erzeugung: Bei starker Sonneneinstrahlung – besonders mittags zwischen 11:00 und 16:00 Uhr – oder bei windreichen Tagen steigt das Angebot deutlich.
Ist weniger Strom verfügbar, steigen die Einkaufspreise an der Börse. Umgekehrt führen hohe Einspeisungen aus Solar‑ oder Windenergie häufig zu sinkenden Preisen – in seltenen Fällen sogar zu negativen Börsenpreisen.

Wie unser Verbrauch die Stromnachfrage beeinflusst
Auch der Stromverbrauch selbst beeinflusst den Preis:
- Geringe Nachfrage: Nachts (ca. 00:00 bis 06:00 Uhr) ist der Verbrauch niedrig, was sich oft in niedrigeren Preisen widerspiegelt.
- Hohe Nachfrage: In den Abendstunden (etwa 16:00 bis 21:00 Uhr) steigt der Verbrauch stark an, z. B. durch Kochen, Waschen oder Heizen. In diesen Phasen müssen Anbieter oft teurer einkaufen – der Börsenpreis steigt.
Neben Wetter und Verbrauch beeinflussen auch Gaspreise, CO₂‑Kosten und politische Entwicklungen den Strompreis. Das liegt daran, dass fossile Kraftwerke – insbesondere Gaskraftwerke – am Strommarkt häufig den preisbestimmenden Beitrag leisten. Reicht der Strom aus erneuerbaren Energien nicht aus, werden diese Kraftwerke zugeschaltet, um die Nachfrage zu decken. Steigen in solchen Situationen die Gaspreise oder die Kosten für CO₂‑Zertifikate, erhöhen sich auch die Preise an der Strombörse. Diese Effekte wirken sich auf den Strompreis insgesamt aus – unabhängig davon, welchen konkreten Tarif jemand nutzt oder ob der Strom aus erneuerbaren Quellen stammt.
Börsenpreis ist nicht gleich Stromrechnung
Wichtig zu wissen: Der Börsenstrompreis ist nur ein Teil des Strompreises, den Kundinnen und Kunden am Ende zahlen.
Zusätzlich enthalten sind Netzentgelte, Steuern und Umlagen, die einen großen Anteil der Stromrechnung ausmachen. Diese Bestandteile werden in der Regel jährlich angepasst, ändern sich aber nicht stündlich wie der Börsenpreis.
Was bedeutet das für Stromtarife?
Die Schwankungen an der Strombörse sind vor allem bei dynamischen Tarifen direkt spürbar, da sich der Arbeitspreis am aktuellen Marktpreis orientiert.
Festpreistarife federn diese Schwankungen ab: Der Arbeitspreis bleibt über die Vertragslaufzeit stabil, dafür ist der Tarif weniger flexibel gegenüber kurzfristig günstigen Marktphasen.

Welche Vorteile haben dynamische Stromtarife?
- Transparente Marktpreise: Der Strompreis orientiert sich direkt am Geschehen an der Strombörse und macht Angebot und Nachfrage nachvollziehbar sichtbar.
- Chancen bei flexiblem Verbrauch: Wer Strom gezielt dann nutzt, wenn viel erneuerbare Energie im Netz ist (z. B. mittags oder bei starkem Wind), kann von niedrigeren Preisen profitieren.
- Bewussterer Umgang mit Energie: Schwankende Preise rücken den eigenen Stromverbrauch stärker in den Fokus und können helfen, Verbrauchsgewohnheiten zu hinterfragen.
Welche Risiken haben dynamische Stromtarife?
- Keine Preisabsicherung: Steigen die Börsenpreise – etwa bei hoher Nachfrage, wenig erneuerbarer Erzeugung oder hohen Gaspreisen – steigen auch die eigenen Stromkosten unmittelbar.
- Grundverbrauch bleibt bestehen: Viele Geräte laufen dauerhaft und verbrauchen Strom auch dann, wenn die Preise gerade hoch sind.
- Aktive Steuerung erforderlich: Ein finanzieller Vorteil entsteht nur, wenn der eigene Verbrauch regelmäßig beobachtet und gezielt gesteuert wird.
- Weniger Planbarkeit: Im Vergleich zu Festpreistarifen schwanken die Kosten stärker und sind schwerer vorhersehbar.


